Zur Unterrepräsentation der Schweiz auf DH-Tagungen…

…findet sich auf dem DHd-Blog ein interessanter Artikel von Michael Piotrowski, Assistenzprofessor für DH an der Universität Lausanne und Co-Direktor des UNIL–EPFL Centers in Digital Humanities:

Wo ist die Schweiz?

Aus seiner Sicht tragen die geringe Institutionalisierung der DH in Lehre und Forschung und die Förderpolitik des SNF, die «kleine» interdisziplinäre Projekte explizit ausschliesst, strukturell zur vorgefundenen Unterrepräsentation bei.


Nachstehend eine Auflistung der Beiträge mit Schweizer Beteiligung auf der DHd-Konferenz, die letzte Woche in Mainz und Frankfurt stattfand:

  • Vom Text zum Bild und wieder zurück. Maria Christoforaki (Passau), Bernhard Bermeitinger (Passau), Simon Donig (Passau), Siegfried Handschuh (Universität St. Gallen) – Vortrag.

Library Science Talks: Transforming 200 years of newspaper articles into an information system

Prof. Frédéric Kaplan hält am 29. April 2014, 15.30 Uhr, im Rahmen der Library Science Talks an der Nationalbibliothek in Bern einen Vortrag zur Nutzung digitalisierter Zeitungsartikel als umfassende Informationsressource.

Vortragssprache: englisch
Adresse: Hallwylstrasse 15, 3003 Bern
Informationen der Nationalbibliothek

Am Vortag wird der gleiche Vortrag auch auf Französisch an der Bibliothèque de Genève gehalten.

Abstract of the talk:

„Le Temps“ newspaper is responsible for an archive of about 4 million articles covering a 200 year period. This archive is composed of the digitised version of the „Le Journal de Genève“, „La Gazette de Lausanne“ and „Nouveau Quotidien“. The archive is currently accessible through a website, searchable in full text but not yet semantically structured.
Mr. Kaplan will present a project at the Digital Humanities Laboratory (DHLAB) of the EPFL which investigates identifying all the named entities in the archive, such as places, persons and objects and developing a framework for named-entity recognition and disambiguation based on Wikipedia and other sources.

 

Bio of the speaker:

Prof Frédéric Kaplan holds the Digital Humanities Chair at École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) and directs the EPFL Digital Humanities Lab. He conducts research projects combining archive digitisation, information modelling and museographic design.

App Fontes

Seit gestern ist die erste offizielle Version von App fontes, der mobilen Version des Ad Fontes-Lernangebots der Universität Zürich online zugänglich. Wie Ad Fontes umfasst App Fontes eine Auswahl an wichtigen wissenschaftlichen Hilfsmitteln und Übungen für den Umgang mit historischen Schriftquellen in lateinischer und deutscher Sprache. Ergänzend zum Angebot auf Ad fontes wurden didaktisch neuartige Übungen gestaltet, die speziell für den mobilen Gebrauch am kleinen Bildschirm konzipiert sind.

AppFontesDie App, die am Historischen Seminar der Universität Zürich (Lehrstuhl Prof. Dr. Simon Teuscher) entwickelt wurde, wird kostenlos zur Verfügung gestellt.

AppFontes2
Video: Christian Di Giusto zu App Fontes

14-18.ch – La Suisse en cartes postales

Im Sommer 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Unter den Jubiläumspublikationen findet sich mit dem Webprojekt „14-18.ch La Suisse en cartes postales“ der beiden Freiburger Doktoranden Alexandre Elsig und Patrick Bondallaz erfreulicherweise auch eine digitale Quellenedition, deren erste Version seit wenigen Tagen unter der gleichnamigen Adresse zugänglich ist und die jetzt schon einen Besuch lohnt. 

14-18.ch präsentiert eine Auswahl von Postkarten der Jahre 1914 bis 1918 aus dem Fundus der graphischen Sammlung der Nationalbibliothek, ergänzt um ausführliche Kommentare, und ermöglicht einen interessanten und erhellenden Blick auf die zeitgenössische Wahrnehmung der Kriegskatastrophe und ihre Auswirkungen auf Politik, Kultur und Wirtschaft der Schweiz. Als visuelles Massenmedium der Zeit hatten Postkarten vor hundert Jahren ungleich grösseren Stellenwert im Alltag als heute. Im Vordergrund der Analyse stehen bei Elsig und Bondallaz die Sujets der Postkarten, da die Karten der Sammlung grösstenteils nicht gelaufen sind und ohne Text und Frankatur vorliegen. Derselbe Ansatz liegt dem aktuellen Buch „Schweizer Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg“ von Georg Kreis zugrunde, das mit den selben Quellen arbeitet. Die beiden Projekte entstanden unabhängig voneinander (und in anfänglicher Unwissenheit um die Konkurrenz), scheinen sich jedoch gut zu ergänzen.

Die auf 14-18.ch präsentierten Postkarten — derzeit handelt es sich um knapp 50 detailliert analysierte Postkarten (sowie eine Reihe zur Illustration der Analyse herangezogener Postkarten, die als kleinformatige Grafiken in einem Archivordner liegen) — sind eingeteilt in die sechs Sektoren „politische und militärische Affären“, „der Alltag des Krieges“, „humanitäre Nächstenliebe“, „Humor & Satire“, „Propaganda und Ideologie“ sowie „Allegorie der Schweiz“. Dem Seitenbesucher erschliesst sich diese Einteilung durch eine in sechs Sektoren unterteilte kreisförmige Grafik gleich beim ersten Aufruf der Seite. Die animierte Grafik, die an einen Käse, einen Kompass oder eine Zielscheibe gemahnen mag, erlaubt dem Besucher das thematische Erkunden des Kartenbestandes und ermöglicht über eine mittig angeordnete stilisierte Briefmarke den Zugang zu (derzeit noch etwas knapp gehaltenen) übergreifenden Informationen zum Projekt. Die Auswahl eines Kreissektors führt über eine Überblicksdarstellung der zugehörigen Postkarten zur Detailansicht der Kartensujets. 

14-18.ch La Suisse en cartes postales
14-18.ch La Suisse en cartes postales

Die einzelnen Karten werden übersichtlich präsentiert mit Angabe des Titel und grundsätzlicher Metadaten (Urheber, Ortsangabe, Datierung) sowie drei alternativ aufklappbaren Feldern mit einer umfassenden Analyse des Sujets, einem Kommentar und weiterführenden Informationen und Literaturangaben. Die Texte der beiden Autoren weisen eine gute Dichte an Verweise auf bestehende digitale Resourcen auf, sowohl auf bekannte Hilfsmittel der Geschichtswissenschaft wie das e-HLS oder die Amtsdruckschriften als auch auf themenspezifische Portale wie Timbres Suisses oder Rost & Grünspan (wehrgeschichtliches Vereinsportal) sowie auf (offene) Zeitungsarchive.
"Bauet u. schirmet das Vaterland!"

„Bauet u. schirmet das Vaterland!“

Die Begleittexte der Postkarten stehen abhängig von deren Ausrichtung entweder seitlich neben der Karte oder unter ihr — eine zugleich zweckmässige und elegante Lösung. Die solcherart responsive Darstellung orientiert sich aber nicht nur an den Inhalten, sondern auch am verwendeten Bildschirm bzw. der Fenstergrösse des Browsers, wodurch das Betrachten der Inhalte auch auf kleinen Bildschirmen gut funktioniert. Der visuelle Auftritt von 14-18.ch ist durch die einfache Zeichen- und Formensprache sowie die sorgfältige Umsetzung überhaupt ausnehmend gut gelungen. Etwas irritierend ist einzig die ambivalente Funktion der zentralen Briefmarke, welche, wenn man sie nach Aufrufen einer Sektion anklickt, zu dieser Sektion zurückführt statt wie erwartet zu den projektübergreifenden Informationen.

Responsive Bildschirmanzeige
Responsive Bildschirmanzeige

Was steht noch aus: Zitierfähigkeit und Suchfunktion

Wie die beiden Autoren vermerken, handelt es sich bei der derzeit zugänglichen Webseite um eine erste Version, die weiter ausgebaut wird. Angekündigt und durch die mehrsprachige Einstiegsgrafik bereits angedeutet ist die Übersetzung der Seite in weitere Sprachen, zunächst ins Deutsche. 

Anders als in vielen derzeit entwickelten Webprojekten hat der Benutzer auf 14-18.ch keine Möglichkeit zur Partizipation (z.B. zur Kommentierung) oder zur Verwaltung persönlicher Notizen. Während diese Funktionen beim vorliegenden Projekt tatsächlich nicht notwendig zu sein scheinen (und möglicherweise das Nutzererlebnis vielmehr stören würden), so sollte doch nach Möglichkeit die Möglichkeit einer feingliedrigen und permanenten Identifikation einzelner Postkarten, Analysen und Kommentare geschaffen werden, im besten Fall natürlich mit Bezug auf die jeweils zugehörige NB-Signatur. Ein erster und einfacher Schritt in diese Richtung könnte die Angabe eines Zitiervorschlags auf Seiten- oder Sektionsebene sein, ein Fernziel eine Schnittstelle zu Kulturerbe-Plattformen wie Europeana.

Im Status quo lässt sich ausserdem die Seite nicht durchsuchen. Obwohl die Präsentation gut organisiert ist, dürfte die Übersichtlichkeit bei einem Ausbau der Inhalte leiden. Ohne Suchfunktion und mit rudimentärer Zitiermöglichkeit scheint 14-18.ch vor allem auf ein interessiertes breites Publikum ausgerichtet zu sein, weniger aber auf ein wissenschaftliches Publikum oder eine zielgerichtete Recherche.

Das Projekt 14-18.ch wurde im Rahmen der Infoclio-Projektförderung „Presenting History Online“ neben drei weiteren Projekten mit einem Preis ausgezeichnet, der massgeblich zur Realisierung beitrug. Die vorliegende erste Version lässt wenig Zweifel daran offen, dass die Arbeit der beiden Autoren Elsig und Bondallaz das Ziel erfüllen wird, einen spielerischen und originellen Zugang zu jenem Teil Schweizer Geschichte zu schaffen, der in den nächsten Monaten sicher noch häufig im Mittelpunkt stehen wird. Das Projekt 14-18.ch hat es auf jeden Fall verdient, einen Teil dieser Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Crossposting bei http://www.infoclio.ch/en/node/53882

‘just a historian’

Mit freundlicher Genehmigung unseres Vereinsmitglieds Pascal Föhr geben wir hier seine Gedanken zur Sinnhaftigkeit der Bezeichnung des „digitalen Historikers“ wieder, wie er sie auf seinem OpenEdition-Blog ‚

Historical Source Criticism

‚ am 9. August 2013 veröffentlicht hat. Pascal Föhr promoviert an der Universität Basel zum Thema ‚Historische Quellenkritik im digitalen Zeitalter‘.

Wer sich mit digitalen Hilfsmitteln (elektronischen Eingabe- und Verarbeitungsmaschinen) sowie digitalen Objekten beschäftigt, wird im Englischen oft als ‘digital something’ bezeichnet. Im Falle eines Historikers als ‘digital historian’. Im Deutschen Sprachgebrauch wird manchmal ‘Digitaler Historiker’ verwendet – auch Digitale Archivare und Digitale Humanisten (digital humanists) sind bekannt. Wenn von digitalen Historikern (etc.) gesprochen wird, dann ist gemeint, dass sich diese Personen mit digitalen Objekten sowie Arbeitsmitteln und -methoden auskennen und damit arbeiten. ‘Echte’ Digitale Historiker würde ich wahrscheinlich (vorerst) nicht ernst nehmen. Somit stellt sich einerseits die Frage, wie solche Historiker bezeichnet werden sollten und ob es eine solche eigentlich benötigt. Digital historian or just a historian?

Wenn sich digital historians (die Englische Variante wird verwendet solange nicht geklärt ist, ob ein deutscher Begriff nötig ist) so selbstbewusst von den ‘anderen’ Historikern abheben (wollen), dann müssten signifikante Unterschiede zu den analog historians bestehen.

Analoge Geschichte
Eine Suche nach Analoger Geschichte oder analog history hat auf die Schnelle keine Resultate ergeben. Schämen sich analog historians als solche aufzutreten oder schlimmer für die digital historians: gibt es sie eigentlich gar nicht? Denn wenn es keine Analoge Geschichte oder analog historians gibt (es existiert aber eine Geschichte des Analogen), dann ist die Hervorhebung als digital historians müssig.

digital natives and digital immigrants
Eventuell hat es mit der Unterscheidung von ‘digital natives’ und ‘digital immigrants’ zu tun. Einem digital native würde es nicht in den Sinn kommen sich als digital zu bezeichnen, denn sein ganzes Leben hat er schon damit zu tun gehabt, eine Abgrenzung zu anderen seiner Altersgruppe ist nicht möglich. Für die immigrants hingegen ist eine Unterscheidung und die Betonung des ‘digital’ von grosser Wichtigkeit: es kann damit ausgesagt werden, dass man auf der Höhe der Zeit ist, moderne Methoden und Techniken anwendet und auch neue Forschungsfelder bearbeitet. Im Gegensatz zu Historikern die … ja nun was? Caesar untersuchen?

Hilfsmittel
Mittlerweile arbeiten auch die meisten Althistoriker mit Computern und anderen digitalen Hilfsmittel. 3D-Visualisierung von Funden und auch die computergenerierte Nachbildung von Anlagen (Häuser, Städte) sind ‘Altag’. Wenn alle Historiker mit digitalen Hilfsmitteln arbeiten, dann können wir getrost das ‘digital’ streichen und sind wieder ‘nur’ Historiker.

Analoge Datenbasis
An allen Veranstaltungen, an welchen ich teilgenommen habe, wurden Forschungsprojekte vorgestellt, deren Datenbasis analog war, aber daraus mit digitalen Hilfsmitteln neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Die Projektmitarbeiter arbeiten alle mit Computern und nutzen komplexe Programme, die sie teils selber geschrieben haben. Diesen Damen und Herren möchte ich keinesfalls unterstellen, dass sie ‘nur analoge’ Historiker sind, weil analoge Daten die Forschungsgrundlage bilden. Digitale Daten fordern zwar einen anderen Zugang, als dies mit analogen Daten der Fall ist, und das Verständnis über die Eigenschaften von digitalen Objekten muss vorhanden sein, aber digitalisierte Daten unterscheiden sich in der Nachbearbeitung nicht von genuin digitalen.

Forschungsfelder
Betreiben digital historians nur Forschung über das Digitale und die anderen über das Analoge? Digital historians haben Kenntnisse über die Eigenschaften von digitalen Objekten und nutzen etwas andere Arbeitsmethoden (Quellenkritik des Digitalen). Sie sind also Spezialisten im Umgang mit digital vorliegenden Informationen, die sich signifkant von anderen, bisher bekannten Quellen unterscheiden. Hier scheint die Bezeichnung eines Digitalen Historikers gerechtfertigt zu sein.

Ausbildung
Der Umgang mit digitalen Datenbeständen wird an den meisten Ausbildungsstätten nicht gelehrt oder beginnt sich erst langsam zu etablieren. Seit dem ‘computational turn’ sind jedoch viele Quellen nur noch digital vorhanden und immer mehr digitale Datenbestände müssen erschlossen werden. Gleichzeitig müssen diese digitalen Objekte auf analoge Informationen bezogen werden können, eine hybride Ausbildung ist also nötig. Solange aber der Umgang mit digitalen Datenbeständen nicht zum Curriculum gehört, ist die Hervorhebung als digital historian durchaus berechtigt.

digital historian or just a historian?
Peter Haber hat vor etwa vier Jahren gesagt, dass in naher Zukunft das ‘Digital’ wegfallen wird, weil alle digital arbeiten. Dies scheint mir heute schon der Fall zu sein, zumindest in den technisierten Ländern. Wer sich jedoch mit Fragen über das Digitale, den ‘computational turn’, digitale Daten (big data) nutzt und damit umzugehen weiss, ist unter den Historikern ein Spezialist, der den Titel eines ‘digital historian’ m.E. führen darf.

Bezeichnung
Die Übersetzung ist, wie zu beginn des Artikels dargestellt, ist mit ‘Digitaler Historiker’ nicht korrekt und bedarf einer Präzisierung. Bisherige Bezeichnungen von historischen Spezialisten beziehen sich auf ein Objekt (Sphragistiker) oder eine Epoche (Mediävist). Eine Epochenbezeichnung ist nicht angebracht, weil der ‘computational turn’ zwar neue methodische Arbeitsweisen erfordert, aber trotzdem keine neue Epoche einläutete (zugegeben, darüber wird gestritten). Der Bezug auf das (digitale) Objekt wäre korrekter und würde den Spezialisten auch als solchen bezeichnen. ‘Digitalist’ sagt zu wenig über das historische Element aus, Historischer Digitalist ist zu umständlich. ‘Digitalhistoriker’ hingegen scheint der gesuchte Begriff zu sein: einerseits wird damit ausgedrückt, dass es sich um einen Historiker (oder eine Historikerin) handelt, andererseits auch, dass sich der Historiker mit den Eigenschaften digitaler Objekte auskennt, digitale oder digitalisierte Daten bearbeitet, digitale Hilfsmittel und entsprechende Arbeitsmethoden anwendet und dass das Digitale an sich zu seinen Interessen gehört.

Bin ich also ‘just a historian’? Nein. Ich bin Historiker! Spezialisiert auf Digitalgeschichte und der sich als Digitalhistoriker bezeichnen darf.

Crossposting von http://hsc.hypotheses.org/241

Tagungsbericht zur ersten Digital Humanities Summer School Bern

Die (Inter-)Disziplin der digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities) konturiert sich auch in der Schweiz immer deutlicher. Nach einer Reihe regionaler und nationaler Fachtagungen, erster Berufungen an Universitäten und eines ersten THATCamps — einer relativ informellen und stark partizipaitven Unconference –, das auch in die Nachbarländer und teilweise darüber hinaus ausstrahlte, fand vor wenigen Tagen mit der ersten Digital Humanities Summer School an der Universität Bern ein weiterer bedeutender DH-Anlass statt. Wie das Lausanner THATCamp (2009) wurde die DH-Summer School durch ein bewährtes Konsortium aus Vertretern der Geschichtsplattformen infoclio.ch (als Hauptorganisator) und hist.net, des Vereins Geschichte und Informatik (also der Hausherren dieses Blogs), des DODIS-Editionsprojekts sowie von Forschenden der Universitäten Bern und Lausanne (LADHUL, DHLab) organisiert und durchgeführt. Dank eines attraktiven Programms mit Präsentatoren und Workshop-Leitern von internationalem Ruf waren die gut hundert Plätze im Frühjahr in kürzester Zeit an Teilnehmer aus zwanzig verschiedenen Ländern vergeben. 

Die viertägige Summer School begann am Mittowch, 26. Juni, mit einem Eröffnungsvortrag durch Ray Siemens, Universität Victoria CA und ADHO-Direktor, der das Verhältnis der Digital Humanities zu den hergebrachten Disziplinen und dem Spannungsfeld zwischen ihnen auszuleuchten versuchte, wobei seine wichtigsten Referenzpunkte Cathy Davidsons Begriff ‚Digital Humanities 2.0‘ und Willard McCartys ‚Methodological Commons‘ (ibi p. 118-119) waren. Erscheinen die Digital Humanities von aussen betrachtet verhältnismässig positivistisch geprägt, eröffnen sich aus der Innenperspektive vielerlei kritische Aspekte und unscharfe Grenzziehungen. Siemens plädiert dafür, den definitorischen Problemen nicht auszuweichen, da diesbezüglich eine gewisse Standfestigkeit notwendig sei, um die disziplinäre und interdisziplinäre Forschung voranzubringen. 

Susan Schreibman, Trinity College Dublin, lieferte im nächsten Vortrag historischen Kontext zur Genese der Digital Humanities und den wechselnden Selbstverständnissen der Akteure, wobei sich der Bogen von Roberto Busas Lochkarten-basierter Thomas von Aquin-Konkordanz bis hin zu virtuellen Welten spannte, welche die Beantwortung ganz konkreter Fragestellungen ermöglichen sollen, letzteres veranschaulicht durch das laufende Easter Rising-Projekt und dessen virtuelles Strassenpanorama, das, situative Begebenheiten und das Potential der verwendeten Waffen berücksichtigend, Aufschluss über mögliche Opferzahlen während des Dubliner Osteraufstandes von 1916 geben soll. Die Anekdote des zunächst irrtümlicherweise online frei zugänglich gemachten Bandes ‚Digital Humanities‘, welche den Verkauf des Werks erst recht angekurbelt hat, ermöglichte einen interessanten Bezug zu den im Wandel begriffenen Publikationsmodellen und den damit einhergehenden Fragen nach wissenschaftlicher Anerkennung und in der Verlängerung zur viel diskutierten Wertfrage des ‚building and making‘ im Gegensatz zu ‚reading and critique‘. Durch sich verschiebende Gewichte und den postulierten ‚object life cycle‘ bzw. genereller durch die Bestrebungen zur langfristigen Kuration von Forschungsdatenbeständen deutet sich nach Schreibman eine gewisse Konvergenz der bis anhin disparaten Arbeitsfelder von Forschern und Dokumentalisten (Bibliothekaren, Archivaren) an.

Vermochten diese beiden einführenden Referate die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand digitaler geisteswissenschaftlicher Forschung einigermassen abzustecken, blieb das inspirierende Moment vielleicht etwas hinter den Erwartungen zurück. Illustrieren lässt sich dies beispielsweise am (zu) verbreiteten Visualisierungstyp der Begriffswolke (word cloud, wordle; bisweilen auch als Vokuhilas des Internets bezeichnet), den Siemens wie Schreibman in ihren Präsentationen verwendeten, was aus dem Publikum prompt hinterfragt wurde und einer Diskussion über den Einsatz von Werkzeugen Weg bereitete, deren Mechanismen häufig nicht evident sind und die folglich Resultate verzerren können.

Umstrittene Begriffswolken
Claire Clivaz, Ray Siemens; Bild: Martin Grandjean

 

Elena Pierazzo, Kings College London, verband in ihrem Vortrag kommunikations- und texttheoretische Aspekte konzise mit den vielfältigen praktischen Herausforderungen, die digitale Editionsprojekte mit sich bringen. Ausgehend von der grundlegenden Unterscheidung der linguitischen Konstruktion (Text) vom physischen Objekt (Dokument) erörterte sie das editorische Spektrum, das von einfachen, evident gegliederten, neoplatonischen Texten über Leseausgaben, kritische Editionen und diplomatische Editionen hin zu dokumentnahen Faksimile-Editionen reicht. Seit mehreren Jahrzehnten kommt dabei besonders der materiellen Dimension von Texten grössere Bedeutung (critique génétique, material/new philology) zu, was die — ohnehin komplexe und konventionalisierte — editorische Praxis weiter ausdifferenziert hat. Mit dem Transfer der zugehörigen Editionsformen in den digitalen Raum stellen sich viele Fragen, deren wichtigste Pierazzo schlaglichtartig tangierte und mit zugleich illustrativen und beeindruckenden Beispielen veranschaulichte. Ihr eigener vor dem Hintergrund der Arbeit der TEI Manuscripts SIG entstandener Proust-Prototyp lässt den Leser durch die sequentielle Anzeige von Textpassagen beispielsweise gleichsam dem Autor bei der Entstehung des Texts über die Schultern blicken. Zur Sprache kam mehrfach auch die Position des Editors, dessen Textverständnis im Encoding manifest wird und dessen Rolle und Autorität gerade auch bei Crowdsourcing-Editionsprojekten definiert werden sollte. Zum Themenkreis digitaler Editionsformen vgl. aktuell und ausführlich Sahle (2013) und dann vor allem auch Pierazzos neues Werk zu digital scholarly editions, das in absehbarer Zeit verfügbar sein wird.

In seinem zweiten Vortrag, der sich mit der sozialen Wissenskonstruktion und -produktion (in den Literaturwissenschaften) befasste, äusserte Ray Siemens die These, dass grössere Datenmengen, beschleunigte Arbeitsweisen, unmittelbarere und dichtere Kommunikation sowie verstärkte Teilhabe des Publikums in der Datenerzeugung und im wissenschaftlichen Diskurs das Potential hätten, Forschungsfragen und Forschungsprozesse wesentlich zu beeinflussen. Anknüpfend an die Arbeit des Electronic Textual Cultures Lab (ETCL, U Victoria), und vor dem Hintergrund, dass Wissen in der Regel in chaotischen Strukturen und unter sehr unterschiedlichen Bedingungen entsteht, wobei gerade die informelle Forschungskommunikation bedeutsam ist, beschrieb Siemens eine Umdeutung der Rolle der Forschenden im digitalen Umfeld von didaktischen Autoritäten hin zu Wissensermöglichern (facilitators of knowledge). Kollaborative Werkzeuge, welche grundlegende Funktionen wie die Bereitstellung von Materialien, deren Annotation, Verzeichnung und Analyse ermöglichen — durch Siemens anhand einer Fülle von Beispielen dargelegt, etwa zur Honorierung freiwilliger Partizipation (Gamification), ergänzt durch eine hervorragende annotierte Bibliographie –, sind in diesem Kontext für die Wissensproduktion elementar. Wissen entsteht vor einem grösseren Publikum und durch mehr Akteure, seine Produktion verlagert sich im akademischen Kontext wie in anderen Bereichen (z.B. Journalismus) ausserhalb institutioneller Strukturen. Aus diesen Überlegungen leitet Siemens eine Reihe von Forderungen an zeitgenössische Forscher ab: Damit (Geistes-)Wissenschaftler die Entwicklung neuer Methodologien und Kommunikationsformen mitprägen können, müssen sie die Potenziale neuer Medien untersuchen, um sie bestmöglich zu verstehen, die Mechanismen kollaborativer Arbeitsinstrumente kennen, Grenzen ausloten, unterliegende Ideologien freilegen und einfache positivistische Ansätze in Frage stellen. Neben engagiertes Gestalten und Kreieren soll eine kritische Theorie treten, welche ethische und disziplinäre Standards ständig reflektiert.

Viele der zuvor anklingenden Implikationen der Erweiterung geisteswissenschaftlicher Disziplinen um neue Ansätze und Methoden auf theoretische, moralische und gesellschaftliche Belange bündelte David Berry, Swansea University, in einem dicht befrachteten Vortrag zu DH und Kulturkritik bzw. den Critical Digital Humanities. Auch er setzt bei der Definition und Abgrenzung des Feldes an, dabei er Stephen Ramsays DH-Typisierung aufnehmend, die der vorab praktisch orientierten und relativ institutionalisierten Community wie sie sich in den frühen 1990er Jahren unter dem Schlagwort Computing in the Humanities formierte (DH-Typus I), eine neuere weniger klar umrissene Bewegung entgegenstellt, deren Interessen breit gefächert sind und die mit bisweilen revolutionärer Gesinnung eine eigentliche Erneuerung der Geisteswissenschaften anstrebt (DH-Typus II; Medientheoretiker, Kulturkritiker, Digitalkünstler). Der Frage, was sich in der Konfiguration der geisteswissenschaftlichen Forschung wirklich verändert, näherte sich Berry aus den Perspektiven der Quantifizier- und Kalkulierbarkeit, der Organisation und des Beschleunigungspotenzials. Mit der Überhandnahme eines metrischen Paradigmas, das Hermeneutik durch Mathematik ersetzt und die Formalisierung der Forschung befördert, verändert sich auch der organisatorische Rahmen: Forschung wird projektbezogen betrieben und Administratoren und Projektleiter machen Professoren das Terrain streitig. Zugleich beschleunigt sich die Forschungstätigkeit durch effiziente Analyseformen, hochgradig responsive Kommunikationsmittel und eine in manchen Fällen ausbeuterische Arbeitsteilung. Vorwürfe, die Digital Humanities seien zuvörderst eine opportunistische und marktanbiedernde Ausrichtung der Forschung nach Kosten-Nutzen-Forderungen lassen sich nach Berry nicht kategorisch von der Hand weisen, gibt es doch deutliche Parallelen zwischen DH-Diskursen und Managementfloskeln. Näher betrachtet handle es sich aber um genuin geisteswissenschaftliche Betätigung, die keineswegs bewährte Forschungsprinzipien leichtfertig gegen die gerade angesagtesten Technologien und Ansätze eintauscht. Dafür, dass „digital“ in der politischen Ökonomie der Universitäten längst ein Schlüsselwort im Erschliessen neuer Geldquellen ist, gibt es jedoch zahllose Belege. Berry fordert zurecht mehr Anerkennung für die bereits geleistete kritische Arbeit und mehr Unterstützung für ihren Ausbau. Der möglicherweise resultierende Verlangsamungseffekt könne durchaus produktiv sein, indem die Forschung durch verstärkte Reflexion profitiere, gerade auch jenseits der Projektebene in der längerfristigen Perspektive.

Im Gegensatz zu Berrys übergreifendem Vortrag konzentrierte sich jener von Claire Lemercier, CNRS-Sciences Po, Paris, über Netzwerkanalyse auf eine spezifische Forschungsmethode, ohne es aber zu missen, Bezüge zu quantitativen Methodolgien zu schaffen. Im Vordergrund standen dabei nicht konkrete analytische Werkzeuge, sondern die formalen Möglichkeiten, Forschungsdaten einer Linse gleich aus verschiednen Winkeln und Distanzen zu untersuchen. Das Potential der Methode liege weniger in attraktiven Visualisierungen komplexer (und oftmals wenig aussagekräftiger) Netzwerke als in der Möglichkeit, vorhandene und fehlende Bezüge auf verschiedenen Ebenen zu betrachten und isolierte Effekte aufzuspüren. Der Forschungsprozess soll dabei von der Datensammlung in einem Archiv bis zur Publikation der Resultate von formalen Überlegungen begleitet werden, die es durch eine vorausschauende, der Dimensionalität bewusste Datensatzmodellierung erlauben, einengende Abhängigkeiten im weiteren Forschungsprozess zu vermeiden. Genaue Kenntnisse über den Aufbau eines Datensatzes und daraus abgeleitet mögliche interessante Fragestellungen beeinflussen die Auswahl des Analysewerkzeuges grundsätzlich. Der Netzwerkanalyse verwandte Methoden wie die geometrische Analyse, die multiple Korrespondenzanalyse, die Sequenzanalyse oder auch klassische deskriptive Statistik sind für manche Forschungszwecke besser geeignet als die soziale Netzwerkanalyse, die ihrerseits eigentlich eine Vielfalt von Spielarten umfasst. Die Netzwerk-Sichtweise kann in vielen Bereichen produktiv sein — als Netzwerke aufgefasst werden können Beziehungen unter und zwischen Personen und Organisationen aber auch historischen Ereignissen und Quellen oder linguistischen Einheiten –, um Korrelationen und Beziehungsmuster aufzudecken, sie sollte aber immer auch durch einen qualitativen Blickwinkel auf die Daten ergänzt werden.

Im letzten Vortrag der Summer School präsentierte Frédéric Kaplan, EPFL Lausanne, das kürzlich angelaufene Venice Time Machine-Projekt von EPFL und Universität Ca’Foscari (Digital Humanities Venice) und mithin seine Vision, durch effiziente Digitalisierung und Datenextrapolation vergangene Zeiten virtuell zu erschliessen und durch die Erkenntnisse wesentlich zu einer temporalen Kartografierung von Städten, Ländern und Kontinenten beizutragen. Erste Voraussetzung für die Kreation einer solchen ‚Zeitmaschine‘ ist die Anhäufung zuverlässiger Daten über die Vergangenheit. Wir verfügen nämlich über eine enorme Datendichte in der Gegenwart, die aber bereits für die vorhergehende Dekaden und mehr noch für vergangene Jahrhunderte sehr viel bescheidener ist. Im Venedig-Projekt sollen zu diesem Zweck im Verlauf der nächsten zehn Jahre rund 80 Laufkilometer Archivalien mit über 100 Millionen Dokumenten, die aus einem Zeitraum von über 1000 Jahren stammen und in verschiedenen Sprachen und Dialekten verfasst wurden, digitalisiert und interoperabel aufbereitet werden, so dass dereinst geschätzte 10 Milliarden ‚Ereignisse‘ (Datenpunkte, factlets) abgefragt werden können. Kaplan und sein Team sehen einer Vielzahl von Stolpersteinen entgegen, denen sie mit innovativen Methoden begegnen wollen: optimierte Scan-Roboter (Vision einer Abtastung der Information in geschlossenen Büchern), verbesserte Texterkennung durch Kontextwissen (analog der Spracherkennung), Nutzung der frei erhältlichen Mithilfe tausender motivierter Studenten gegen Akkreditierung von Kursleistungen in massive open online courses (MOOCs), graphbasierte semantische Informationsmodellierung (RDF), Extrapolation und Simulation fehlender Informationen. Der geisteswissenschaftlichen Forschungsdaten eigenen Ungenauigkeit und Unsicherheit soll durch die Zuweisung ‚fiktiver Räume‘, die in Aggregation Wahrscheinlichkeitsaussagen zulassen, begegnet werden, so dass unter einer Vielzahl potentiell möglicher Vergangenheiten die plausibelsten eruiert werden können. Es handelt sich zweifellos um ein hochinteressantes Projekt mit viel Potential für verschiedene Bereiche. Ob die angestrebte effiziente semantische Erschliessung aber in den nächsten Jahren Realität wird und zufriedenstellende Resultate liefern kann, vermag aus heutiger Warte jedoch gewisse Zweifel zu wecken. 

Die sieben vielseitigen und interessanten Vorträge wurden durch zwölf Workshops und sieben Unconference-Sessionen ergänzt, die erfreulicherweise oftmals mit einem direkten Bezug zu den Vortragsthemen angeboten wurden und theoretische (Critical Digital Humanities, Zugänglichkeit und Quellenkritik digitaler/digitalisierter Quellen), disziplinäre (DH und die akademische Lehre) und methodische Belange (Datenaufbereitung, Textanalyse, digitale Editionen von Text und Musik, Visualisierungsmethoden, individuelle und kollektive Arbeitspraktiken) sowie deren Überschneidung (semantisch modellierte Forschungsumgebungen) vertieften. Aufgrund der begrenzten verfügbaren Zeit blieb es in vielen Workshops bei der Demonstration und Diskussion, vereinzelt konnten die Teilnehmer aber erfreulicherweise auch durchaus selber aktiv werden, etwa in den Workshops zu TEI-Editionen (E. Pierazzo), Textanalyse (S. Schreibman), Literaturverwaltung (N. Chachereau) oder Gephi-Visualisierungen (M. Grandjean). Für künftige Veranstaltungen sind diese Tutorien-ähnlichen Blöcke sicher sehr wünschenswert, vielleicht auch in ausgedehnter Form über mehrere Zeiteinheiten hinweg oder als eigenständige Hands-on-Tagesveranstaltungen.

Im Rahmen eines Project Slams stellten rund ein Drittel aller Teilnehmer in Kürzestpräsentationen ihre aktuelle Tätigkeit oder ihr hauptsächliches Forschungsinteresse vor, was eine grosse Bandbreite disziplinärer und thematischer Herkunft offenbarte, die sich zuvor schon in den Diskussionen angedeutet hatte. Mit einem ungezwungenen Diner, gemütlichen Abendstunden in der Bundesstadt, einem spontan organisierten Erfahrungs- und Hintergrundbericht von den Taksim Gezi-Park-Protesten in Istanbul durch zwei Teilnehmer und schliesslich einem Abschluss-Picknick, das aufgrund der Witterung leider nicht draussen durchgeführt werden konnte, bot die Summer School gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen und Visionen zu teilen. Es bleibt zu hoffen, dass der ersten Digital Humanities Summer School in der Schweiz weitere folgen werden, woran dank der zunehmenden Verankerung der Digital Humanities auch hierzulande eigentlich kaum zu zweifeln ist. Mit der Ausrichtung der DH 2014 in Lausanne (6.-12. Juli) zeichnet sich für nächstes Jahr bereits ein hervorragender Anknüpfpunkt ab!

Digital Humanities 2012 Hamburg – Some Thoughts on the Diversity of DH 2012

As an assistant at the Digital Humanities 2012 conference and at the same time being presumably one of the very first Swiss students obtaining a degree in Digital Humanities (at least under this denomination), I was pleased by Enrico Natale’s suggestion to share some of my experience here. After enjoying the engaging first THATcamp Switzerland that was held in Lausanne last November it seemed well worth to also attend an  international gathering in order to experience the field in its full width and to see and hear (and talk to) some of the people that had already gotten somewhat familiar from journal and mailing list contributions. The annual conference of the ADHO, the Digital Humanities, of course affords these opportunities very well and the time at DH 2012 indeed turned out to be very rewarding.

The following are three thoughts that evolve around the central notion of this year’s conference theme – (digital) diversity:

  1. Whereas the conference theme in many cases may inform the keynotes and some formal addresses, but other than that not noticeably resonates with the bulk of workshops or presentations, this was quite different for the DH 2012. Here, the conference theme ‚Digital Diversity – Cultures, languages and methods‘ had implications that went beyond the more formal occasions and promise to have a bearing for the future configuration of the field. The most notable development with regard to this is the foundation of the DHD, the regional charter of the ADHO that yet needs to precisely define its inclusiveness and final name (Enrico Natale already reported Swiss perspectives on the subject). As Paul Spence, chair of the International Program Committee and local organizer of DH 2010, notes „the DH community is clearly developing in new and exciting ways, and it is particularly exciting to see non-Anglophone groups develop a stronger presence on the international DH stage.“ Similar sentiments were echoed on Twitter during the conference and it is great to see this development honored by anglophone members of the DH community.
     
  2. The diversity of Digital Humanities also became manifest in my very direct environment during the week in Hamburg. The local organizing committee was joined by a handful of local students and three international students from Asia, South America, North America and Europe respectively.[ref]On the student assistants‘ tasks and some technical issues:
    The tasks of the student assistants encompassed live coverage of the session via a shared twitter account, sharing reflections and anecdotes on the students’ blog as well as recording most of the presentations on video. Personally, I had the pleasure to record Marc Alexander, who was later proclaimed the winner of the 2012 Fortier Prize that is awarded to the ADHO Bursary winner whose conference submission is judged by the Bursary Award Panel to be the most outstanding. While perambulating the stage area during his stunning presentation, Marc gave me a hard time keeping the camera on him at a reasonable level of zoom. As this recording might figure among the ones that are watched most frequently I am glad that the recording of the slides went flawlessly.
    Recordings such as this one were generally made available as streams within short time after the sessions, which brought a lot of praise from the audience both present in Hamburg and from remote locations. Occasionally however the Lecture2Go system that was used to record the audio and video signals and the presentation slides using an Epiphan frame grabber (the Lecture2Go setup very much resembles the SWITCHcast system used by Swiss universities) proved to be too intricate resulting either in cropped slides or no usable output altogether. Both the responsible technicians and the recording students identified room for improvement with regard to the technical aspects of the session recording.[/ref] This brought a notable diversity into the team that not only related to the geographical and cultural provenience, but also to different educational backgrounds and areas of interest ranging from buddhist informatics to urban acoustics or typography. Not everyone was equally immersed with the various theories, concepts and technological approaches that were debated during the week, but there were always common grounds of interest that allowed for interesting conversations. In this regard I was reminded of the THATcamp in Lausanne and it was a welcome change to the discussions with my classmates that – while not less interesting – are often based on the same or very similar literature and in comparison are much more homogeneous. I would encourage future organizers of the DH conference to explicitly invite international applications for student assistant bursaries and to perhaps follow the lead of DH 2012 and allow for a per continent quota in order to reflect the worldwide DH research community (provided there are enough eligible applications).
    It was nice to learn that some of my international colleagues also took the opportunity to attend other events preceding or subsequent to the DH conference such as the Digital.Humanities@Oxford Summer School or the European Summer School in Digital Humanities in Leipzig, which is certainly a great thing to do. With their emphasis on workshops and practical training these summer schools are indeed excellent complements to the DH conference.
     
  3. While the disciplinary and thematic diversity of the contributions was remarkable, language and literature related fields continue to represent the biggest share of the program. As a historian I tried to follow sessions and presentations that focussed on historical research questions and historical objects of research, but this was not always easy to reconcile with my schedule that usually involved a half-day of session coverage or presence at the reception desk. On thursday in particular, things got complicated for historians. Several sessions of interest to historians concurred and a number of them could be seen quietly packing their things and swiftly changing lecture halls between two presentations. Matters were somewhat different on Friday afternoon when Dino Buzzetti and Manfred Thaller addressed a large audience with an impressive dialogic presentation (see here, here, and here) that touched on more than a few fundamental aspects of markup theory, textuality, interpretation and semantic relations. I deem it very desirable that presentations and talks that highlight a specific research problem or showcase an ongoing project are complemented by this kind of encompassing and thought provoking discussions that have the potential to bring various disciplines of digital humanities forward.

Digital Humanities 2012 Hamburg – DH Curriculum (Do it like Mills Kelly / 1)


As you may know, one of the biggest conference worldwide dedicated to digital humanities is starting today in Hamburg. Digital Humanities 2012 is this year edition of the annual conference of the Alliance of Digital Humanities Organisations. With more than 600 participants and a 500 pages Conference abstracts volume, it is a rather impressive gathering.

Trying to give an account of similar ventures is always tricky. One can live-Tweet (I will to a certain extent), take notes (I am too) or write blog posts. During THATCamp Switzerland, we were astonished to see that Mills Kelly (CHMN) had this amazing skill to write blog posts during the sessions, with no delay, so that the post could be published by the end of the session. That’s what I’m trying to do here… The account is of course partial as it can be. For a more neutral report see the slides of Prof. Thaller at the end of this post.

The first workshop I attended this morning was entitled „Toward a Digital Humanities Curriculum“ and was hosted by Prof. Manfred Thaller, from Uni. Köln, which is a godfather-type figure in Digital Humanities in Germany. Prof. Thaller belongs to the first generation of digital humanities, as he himself stated,  telling us an anecdote about the year 1996, where DH – at that time the word was „humanities computing“ – were first acknowledged as specific research field.

I’m coming to the point. Back in 1996, according to prof. Thaller, there was a hype in US Colleges about teaching student how to use Text processor softwares as Microsoft Word and to build their own homepages. At the same time, some researchers were starting to run computational analysis in digital corpora, mainly textual. While the ones were learning to use new available technologies, the others were trying to design new computer-based research methods. Modeling is thus a central DH skill, i.e. represent a humanities problem in such a way that it becomes possible to build a technical solution.

According to Prof. Thaller – or at least according to what I understood from his presentation – that’s where he sets the border between  DH and „Library Studies“. Prof. Thaller somehow considers DH as a humanities discipline, where the humanities remain sovereign over the technology. The research questions, and the choice of what tool are to be developed, stays in the hand of the humanities scholar. Conversely, Library Science have a mission to teach how to use existing tools and empower student traditional research skills, but that’s not proper DH research.

This debate is crucial to a DH definition. Should DH be understood as augmentation of other curricula or rather as  a new professional curriculum ?

Everybody seems to consent here that DH is a specific discipline, that differs from other information sciences. The core topic discussed here today is what skills should be taught to DH Ba/MA students in university. You will find in the slides below an impressive list of Standards important to Digital Humanities (pp. 8-11).

I should add that in Germany today there are ca. 10 Undergraduate Programs and 12 Master programs in DH, plus several news chairs in DH being created these last years. We received also a leaflet called Digitale Gesiteswissenschaften, which is a summary of the state of the art of DH university programs in Germany.

Geschichtswissenschaften und Web 2.0

Am vergangenen Freitag fand in Basel ein von hist.net und infoclio.ch organisierter Workshop zum Thema „Geschichtswissenschaften und Web 2.0“ statt.

Mills T. Kelly, Keynotespeaker des workshops und associate director des Center for History and New Media an der George Mason University hat bereits einen Bericht über den Workshop in seinem Blog „Edwired“ veröffentlicht.

Einen weiteren Bericht, kombiniert mit einem kritischen Ausblick, findet man im Blog „Digitale Regionalgeschichte„, erste Reaktionen darauf bei Archivalia und bei hist.net selbst. Weitere Materialien sollen demnächst auf hist.net und infoclio.ch zur Verfügung gestellt werden.

Update 1: Ausserdem bei hazelnutrelations.ch und im Blog von schmalenstroer.net. Bilder gibts hier.

Update 2: Die Podcasts kann man ab sofort bei infoclio.ch anhören: Hier

Update 3: Interview mit Prof. Mills Kelly (CHNM, George Mason University, Virginia).